Archiv 2019

12.07.2019

Debut in der RvB-Bibliothek mit Walter Kempowski 

Michael Beubler stellte in seinem mitreißenden ersten Vortrag in der RvB-Bibliothek den Schriftsteller, Pädagogen und Archivar Walter Kempowski vor.

Trotz des ständigen Regens kamen die Besucher und füllten die Bibliothek schnell. Einige wenige kannten Walter Kempowski, andere wollten ihn kennenlernen und waren entsprechend gespannt auf das, was ihnen geboten werden sollte. Neben dem „Stamm-Publikum“ kamen auch unbekannte Gäste, einige z.B. aus Völksen, wo Michael Beubler vor Jahren Pastor gewesen war.

Seinen Vortrag strukturierte er in vier Teile: Stationen aus Kempowskis Leben und Familiengeschichte mit Zitaten aus seinen Werken – Pause – Lesung einer Textpassage aus „Heile Welt“ von 1998 – Auszug aus einer Audioaufnahme eines Interviews mit Walter Kempowski.

Im Mittelpunkt stand der Werdegang Kempowskis von den Anfängen der Familie, über die Kriegsjahre 1939 bis 1945 bis zu seiner Haftzeit in Bautzen wie auch der seiner Mutter und seines Bruders. Diese Jahre prägten Kempowski und ließen den genau beobachtenden und nachspürenden Zeitzeugen, der bereits als Knabe den Wunsch formuliert hatte, Archiv werden zu wollen, zu dem Archivar werden, der seine Zeit und seine Geschichte wie auch die vieler fremder Menschen in seinem Werk für die Nachwelt bewahrte.

Nach 1980 begann Kempowski, biografische Materialien von einfachen Menschen zu sammeln, indem er Anzeigen in der Wochenzeitung „Die Zeit“ schaltete. Er erhielt Tagebücher, Briefwechsel, Lebensaufzeichnungen und Fotografien von Menschen aus unterschiedlichen Kreisen und Zeiten. Diese Materialien verwendete er in seinem Hauptwerk „Das Echolot“. Sie umfassten schließlich hunderttausende Fotos und Millionen Blatt Papier.

Bereits als Grundschullehrer entwickelte und erprobte Kempowski ab 1960 erfolgreich Methoden des Lesen- und Schreibenlernens, tägliche Erlebnisberichte der Schüler machte er zu Unterrichtsinhalten. Sein Leben als Dorfschullehrer beschreibt er in seinem 1998 erschienenen Band „Heile Welt“. Beubler zitierte aus diesem Roman eine längere Passage kongenial, er vermittelte Kempowskis genaue aber auch leichte Sprache, die den Zuhörer „einfing“ und ihn mitnahm in die von Kempowski beschworenen Bilder.

Diesem Sog hätten viele Besucher gerne noch weitere nachgeben mögen, aber irgendwann endete auch dieser ungemein lebendige und inspirierende Vortrag über einen Großen unserer Zeit.

Michael Beubler nahm man die Freude an der Beschäftigung mit Kempowski ab… und auch die Liebe zu einem anderen Großen unserer Zeit – Franz Kafka. Voller Vorfreude stellte er einen Vortrag über Franz Kafka in 2020 in den Raum…

[Text + Fotos: Gabriele Rose]

10.05.2019

„Der Mai ist gekommen“

[Neue Deister-Zeitung 18.05.2019 Seite 12]

[Fotos: Elvira Rieck]

15.02.2015

„Literatur im Bahnhof“
in der Bennigser Rudolf-von-Bennigsen-Bibliothek

Die meisten der rund 35 Zuhörer*innen (um bei der offiziellen Hannoverschen Schreibweise zu bleiben) waren in den Bennigser Bahnhof zur Literaturlesung über Leben und Werk Wolfgang Borcherts gekommen, weil sie noch eigene Erinnerungen an die Zeit haben, in der Borcherts Geschichten spielen, und/oder dies ein Schriftsteller ist, dessen Werke sie in der eigenen Schulzeit kennengelernt hatten. Wie eine der Zuhörerinnen dem Vortragenden, Karlfried Rose von der Gruppe „Wortart – Springer Literaten & Co.“, in der Pause berichtete, endete der Geschichtsunterricht zu ihrer Zeit und in ihrer Klasse mit der Weimarer Republik. Die Gräuel des 2. Weltkrieges und der Nachkriegsjahre wurden ihr lediglich im Deutschunterricht durch die Werke Wolfgang Borcherts nahegebracht. Und sie wird nicht die einzige gewesen sein, der es in den 50er und Anfang der 60er Jahren so erging.
Es war keine einfache Kost, die Rose seinen Zuhörenden zumutete. Das Schicksal Borcherts, der gerade einmal 26 ½ Jahre alt wurde, sein Schauspiel „Draußen vor der Tür“ sowie seine Kurzgeschichten, die von 1945 bis 1947 entstanden, machen betroffen und nachdenklich und sind bar jeder Komik. Rose verband den Lebensweg Wolfgang Borcherts mit den Werken, die in jenen Jahren entstanden waren bzw. über diese Jahre berichten. Ihm gelang es, durch seine ruhige, aber dennoch zupackende Sprache und den fundiert erarbeiteten Vortrag die Anwesenden zu fesseln und durfte sich in der Pause und nach Ende des Vortrags über einen freigiebigen Applaus, aber auch über viele Gespräche und manches aufrichtige Lob freuen.
Auch nach der Lesung blieben noch etliche Gäste bei einem Glase Wein zusammen, um sich über das Gehörte und das Programm des Fördervereins Rudolf-von-Bennigsen für 2019 auszutauschen, das insgesamt fünf literarische Veranstaltungen – über das Jahr verteilt – und Ende August zum 3. Mal einen „White Lunch“ unter dem Motto „Bennigsen is(s)t zusammen!“ vorsieht.
[Foto + Text: Gabriele Rose]

 

Die Referenten


 

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